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News im April

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Damals aber war niemand überrascht von den Szenen nationaler Geschlossenheit. Der Papst galt bereits zu Lebzeiten als Legende – während es sich bei Lech Kaczyński um einen ziemlich umstrittenen Präsidenten handelte, dem nur geringe Chancen auf die Wiederwahl eingeräumt wurden.

Seit dem Doppel-Wahlsieg der Brüder Kaczyński im Jahr 2005 zog sich ein tiefer Graben durch Polen. Jedes Schulkollegium und jede Familie war von heftigen Diskussionen zwischen Liberalen und Konservativen geprägt, wie man sie in Deutschland allenfalls in den sechziger Jahren erlebt hat.

Doch all das ist nun plötzlich nicht mehr wichtig. So wie beim Tod des Papstes auch viele Atheisten auf die Straße gingen (die es im katholischen Polen weitaus zahlreicher gibt, als man im Westen weiß), legten diesmal vor dem Warschauer Präsidentenpalast auch solche Menschen Blumen nieder, die vor kurzem noch deftige Witze über die Zwillingsbrüder erzählt hatten. Ob eine ähnliche Großherzigkeit auch in Deutschland denkbar wäre?

Sicherlich ist es charakteristisch für die Polen, dass sie eher von traurigen als von freudigen Anlässen bewegt werden. Kaum ein europäischer Nachbar dürfte im Trauern so geübt sein wie dieses Land, das aufgrund seiner geographischen Lage immer wieder zum Aufmarschgebiet fremder Armeen wurde, ob nun schwedischer, russischer, österreichischer oder deutscher. Eine „Unfähigkeit zum Trauern“ kann man den Polen jedenfalls nicht nachsagen.

 

„Warum wir?“ fragen sich viele denn auch jetzt – und beziehen sich damit auf die Auslöschung ihres Staates im 18.Jahrhundert oder auf die vielen blutig niedergeschlagenen Aufstände im 19.Jahrhundert, bis hin zur Okkupation durch Deutsche und Russen zwischen 1939 und 1989. Die Lokalisierung des Flugzeugunglücks nahe dem verfluchten Ort „Katyn“ scheint die fatale Kontinuität der Geschichte nur zu bestätigen. Man rückt zusammen, wildfremde Menschen drücken auf der Straße einander die Hand – fast so, als wäre mal wieder ein äußerer Feind ins Land eingefallen.

Doch je mehr Zeit seit der Katastrophe vergeht, desto anders wird das Ereignis bewertet. Der Flugzeugabsturz war ein tragisches Unglück und kein Symptom für die derzeitige Situation Polens. Ganz im Gegenteil. Die letzten zwanzig Jahre dürfen vermutlich die glücklichste Epoche in der neueren Geschichte des Landes genannt werden. Selbst im Krisenjahr 2009 hat Polen als einziger von 27 EU-Staaten ein positives Wirtschaftswachstum erlebt.

Auch das Verhältnis zum Nachbar Russland hat sich verbessert. Die gute Kooperation zwischen den Premiers Putin und Tusk hatte sich schon wenige Tage vor der Katastrophe bei der Gedenkfeier von Katyn bewährt. Die überwältigende Anteilnahme der Russen nach der Katastrophe, bis hin zur Ausrufung der offiziellen Staatstrauer, könnte jetzt sogar dazu beitragen, dass auf polnische Seite eine dankbare Sympathie entsteht, wo bislang nur Misstrauen herrschte.

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