Polnischer Hochzeitsaberglauben
- Damit eine Ehe lange hält und glücklich wird, sollte man den Hochzeitstermin auf Monate legen, die in ihrer polnischen Version den Buchstaben „R“ enthalten, also März (marzec), Juni (czerwiec), August (sierpień), September (wrzesień), Oktober (październik) oder Dezember (grudzień). Am besten ist der Samstag und unbedingt eine volle Stunde.
- Glückverheißend sind Hochzeitstermine zu Weihnachten oder zu Ostern; schlecht dagegen Termine im Advent und in der Fastenzeit. Ein Hochzeitstermin am ersten April würde die Ernsthaftigkeit der Hochzeit in Frage stellen.
- Scherben bringen Glück. Wenn also bei den Hochzeitsvorbereitungen Glas oder Teller kaputt gehen, ist das keine Katastrophe, sondern das Gegenteil. Gleiches soll auch das Zerschmettern von Sekt- oder Schnapsgläsern durch das Hochzeitspaar bewirken.
- Das weiße Brautkleid steht für Unschuld. Wichtig ist jedoch, dass der Bräutigam das Brautkleid nicht vor dem Hochzeitstag sieht, weil das Streitereien in der Ehe bedeuten würde. Um dieses Risiko zu minimieren, sollte die Braut ihr Hochzeitskleid nur anziehen, wenn es unbedingt notwendig ist.
- Die Braut sollte etwas Neues tragen (bringt Reichtum), etwas Altes (damit die Unterstützung durch Freunde und Familie niemals ausbleibt), etwas Weißes (für die Reinheit der Gefühle), etwas Blaues (soll Nachwuchs und die Treue des Gatten garantieren) sowie etwas Geliehenes (um die Familie des Bräutigams wohlwollend zu stimmen).
- Der Schleier steht für die Unberührtheit der Braut. Beim Anziehen des Schleiers darf der Braut nur eine Brautjungfer helfen, die ebenfalls unverheiratet und unberührt ist.
- Die Braut sollte ihre Hochzeitsschuhe vorher mindestens einen Tag lang auf die Fensterbank stellen, damit das Glück genügend Zeit zum Hineinschlüpfen hat.
- Der Bräutigam sollte der Braut beim Anziehen der Schuhe helfen und ihr dabei ein Geldstück in den Schuh legen. Das garantiert späteren Wohlstand.
- Die Braut sollte Perlenschmuck meiden, da sie Tränen in der Ehe verheißen.
- Die Hochzeit sollte in der gleichen Kirche stattfinden, in der die Braut auch getauft wurde. Das soll der Braut den Start in den neuen Lebensabschnitt erleichtern.
- Auf dem Weg zur Hochzeitsfeier sollte sich das Brautpaar nach Elstern und Tauben umschauen. Das bringt Glück. Vermeiden sollte man jedoch den Anblick von großen schwarzen Vögeln wie Krähen oder Raben. Sie bringen Pech.
- Beim Betreten der Kirche oder des Standesamtes sollte man die Schwelle stets mit dem rechten Fuß überschreiten. Denn den neuen Lebensweg darf man nicht mit dem linken Fuß beginnen. Das würde Unglück und Probleme bringen.
- Ein Umknicken, Stolpern oder Straucheln auf dem Weg zum Altar gilt als schlechtes Omen.
- Wichtig ist, dass der Bräutigam die Braut links führt, damit er sie mit der rechten Hand vor bösen Geistern beschützen kann.
- Auf dem Weg zum Alter sollte sich die Braut unter keinen Umständen nach links und rechts umschauen. Das könnte nämlich bedeuten, dass sie von der Ehe nicht wirklich überzeugt ist oder unter Zwang heiratet.
- Das Brautpaar sollte auf dem Weg zum Altar nicht anhalten und schon gar nicht umkehren. Beides verheißt Probleme auf dem gemeinsamen Lebensweg.
- Sollte das Brautpaar irgendetwas Wichtiges vergessen, darf es nicht umkehren. Das wäre ein schlechtes Omen. Stattdessen sollte man gute Freunde nach dem vergessenen Gegenstand schicken.
- Auf dem Weg zum Altar sollte das Brautpaar strahlend lächeln. Das verheißt Glück in der Ehe.
- Versprecher und Tränen beim Eheversprechen sind ein sehr günstiges Omen. Das bringt Glück.Je mehr die Braut vor dem Altar weint, desto weniger wird sie in der Ehe weinen.
- Sollte vor dem Altar ein Trauring auf den Boden fallen, ist das kein gutes Zeichen. Allerdings sollten sie nicht vom Brautpaar selbst aufgehoben werden, sondern vom Priester oder einem Zeugen.
- Der Ehering sollte auf keinen Fall auf den Mittelfinger gesteckt werden. Das würde einen Ehebruch verheißen.
- Wenn das Paar sich nach der vollzogenen Trauung umdreht, ist es nicht egal, wer den anderen dreht. Derjenige, der es tut, wird auch in der Ehe das Sagen haben.
- Es soll Wohlstand bringen, wenn die Gäste das Brautpaar beim Verlassen der Kirche mit goldfarbenen Geldstücken bewerfen. Die frisch vermählten Eheleute müssen dann möglichst schnell alle Münzen aufheben. Wer mehr davon einsammelt, wird in der Ehe die Kasse verwalten. In Deutschland wirft man Konfetti oder Reis. Das steht für die Himmelsspeise Manna, die auf das Volk Israel während der Flucht aus Ägypten vom Himmel regnete und es so vor dem Hungertod bewahrte.
- Es ist sehr wichtig, dass der erste Gratulant nach der Hochzeitszeremonie ein Mann ist.
- Einem Hochzeitspaar darf man nur Blumensträuße mit ungerader Zahl schenken. Damit soll die junge Ehe gefestigt werden. Bei einer geraden Zahl besteht ein höheres Trennungsrisiko, weil es dem Paar leichter fällt, eine saubere Teilung vorzunehmen.
- Wenn die Braut beim Bankett den Hochzeitsstrauß hinter sich wirft, wird diejenige Frau, die ihn auffängt, als nächste heiraten.
- Die Braut darf niemanden ihren Ehering anprobieren lassen, auch darf sie auf keinem Foto ohne ihren frischgebackenen Ehemann zu sehen sein, weil die Ehe sonst bald in die Brüche geht.
Ergänzungen bitte an:
betweener@steffen.pl
Copyright: Steffen Möller