Polnischer Aberglauben für Schauspieler
1. Der Schauspieler muss die Bühne mit einem Kuss begrüßen. Damit sollen die Theatergeister gnädig gestimmt werden. So werden sie dem Erfolg nicht im Wege stehen.
2. Vorsicht ist bei einem Sarg auf der Bühne geboten. Wenn man eine solche Requisite für die Aufführung benötigt, sollte sie erst kurz vor der Premiere herbeigeschafft werden. Der Sarg könnte nämlich jemandem aus der Truppe den Tod bringen.
3. Eine der bekanntesten Bühnentraditionen besagt, dass man nicht laut pfeifen darf. Früher, in der Zeit, als noch Matrosen die Theatermaschinen manuell bedienten, kommunizierten sie miteinander durch Pfiffe. Wenn ein anderer Mitarbeiter pfiff, störte er diese Kommunikation. Heutzutage ist davon der Aberglaube übrig geblieben, dass man, wenn man pfeift, vom Publikum ausgepfiffen wird. Wenn sich jemand vergisst und trotzdem auf der Bühne pfeift, so kann man dies beheben: Der Verursacher muss vor das Gebäude treten, sich dreimal um sich selbst nach links drehen und über die linke Schulter spucken. Anschließend muss er so lange gegen die Tür pochen, bis ihm wieder Einlass gewährt wird.
4. Wenn ein Drehbuch oder Manuskript auf den Boden fällt, muss man sofort mit dem Fuß darauf treten. Tut man dies nicht, könnte das Stück durchfallen.
5. Besonders abergläubische Menschen treten nicht nur auf Bühnentexte, sondern auf sämtliche Papiere, die auf den Boden fallen, auch auf Dokumente, Verträge und sonstige Unterlagen.
6. Verschüttetes Puder ergibt zwei Möglichkeiten: Entweder wird die Rolle einkassiert oder man wird eine Affäre mit dem Spielpartner haben.
7. Wenn eine Schauspielerin einer anderen Schauspielerin Kaffee bringt, muss diejenige, die ihn bringt, ebenfalls einen Schluck davon trinken. Dieser Aberglaube stammt aus der Zeit, als konkurrierende Diven gelegentlich Rizinusöl in den Kaffee der Konkurrenz zu kippen pflegten.
8. Es dürfen keine Änderungen am Kostüm vorgenommen werden, wenn der Schauspieler darin steckt. Durch das Nähen am Kostüm könnte man auch das Gedächtnis des Schauspielers zunähen, so dass er seinen Text vergisst. Wenn es dennoch notwendig ist, kann man den Zauber brechen, indem der Schauspieler beim Nähen ein Stück Faden zwischen den Zähnen hält oder sich vom Requisiteur beim Nähen stechen lässt.
9. Vor der Premiere sollte man für einen Augenblick einen krummen Nagel in der Hand halten. Das bringt Glück.
10. Vor einem Auftritt bedankt man sich als Künstler nicht für gute Wünsche, um den gewünschten Erfolg nicht zu gefährden.
Ergänzungen bitte an:
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