"Vita Classica" - Interview
Exklusiv für www.steffen.pl hat sich der Autor bereit erklärt, einige heikle Fragen zu seinem Buch „Vita Classica – Bekenntnisse eines Andershörenden“ zu beantworten.
Frage: Der Titel Ihres neuen Buches, „Vita Classica“, erinnert an „Vita Contemplativa“ oder „Vita Activa“. Wäre es nicht auch ein bisschen weniger bildungslastig gegangen?
Möller: Schön, dass Sie es als so gebildet empfinden! Ein Bekannter von mir dachte bei „Vita Classica“ an eine Heißwasser-Therme, ein anderer gar an eine gesunde Öko-Joghurt-Sorte, und da war ich schon drauf und dran, das Buch lieber „Born to be Klassik“ zu nennen. Genau so nannte aber Sportreporter Waldi Hartmann sein Comedy-Programm, „Born to be Waldi“, und da war die Idee wieder vom Tisch.
Ja, der lateinische Titel soll auf den Elfenbeinturm anspielen, in dem der Klassik-Fan lebt. Nebenher soll er auch eine gewisse Kontinuität zu meinem letzten Buch herstellen. Es ist ja im Grunde eine zweite Autobiographie, diesmal halt aus einem anderen Blickwinkel.
Frage: Beim letzten Buch, „VIVA POLONIA“ ging es um das ideale Land für deutsche Gastarbeiter – jetzt um Klassik. Wo ist die Verbindung? Ist Polen etwa auch das ideale Land für Klassik-Fans?
Möller: Das wäre schön, aber Klassik-Fans sind in Polen genauso arme Würstchen wie überall sonst im 21.Jahrhundert – zumindest, wenn sie jünger als vierzig sind. Nein, die Verbindung zwischen den Büchern ist ganz simpel. Polen und Klassik sind zwei meiner Passionen. Und gerade weil viele Leute geglaubt haben, dass ich als nächstes mit „Viva Polonia II“ rauskommen werde, war es an der Zeit, mal was anderes zu machen.
Aber Polen kommt auch im neuen Buch nicht zu kurz. Ich beleuchte es diesmal aber von einer persönlicheren Seite.Â
Frage: Hoffen Sie, dass Klassik gerade jetzt in der Krise attraktiv ist?
Möller: Die Klassik ist doch in der Dauerkrise, und das schon seit hundert Jahren.
Frage: Aber in der jetzigen Wirtschafts-Krise ist es doch so, dass vermehrt Klassiker gekauft werden, weil die Kunden keine großen Experimente riskieren und lieber auf das Bewährte zurückgreifen. Vielleicht kommt Ihr Buch da genau zum richtigen Zeitpunkt?
Möller: Nein, die Krise hilft der Klassik nicht. Was heißt denn heute eigentlich „Klassik“? Damit sind doch inzwischen die Klassiker der Pop- und Rockmusik gemeint. Die Rolling Stones, Pink Floyd, Queen – das ist heute die Tafelmusik des Bürgertums. Die ehemaligen Klassiker, Beethoven und Mozart, kauft man sich höchstens noch als Billig-CD für den Stadtverkehr. Tief ins Portemonnaie langt man dagegen für ein Depeche-Mode- oder Coldplay-Konzert. Wenn Sie Fotos von Minister zu Guttenberg sehen, wie er sich am Wochenende eine Baseball-Kappe aufsetzt und mit der Gattin zum AC/DC-Konzert spaziert, wissen Sie, wie ich als Anton-Bruckner-Fan mich fühle: Wie ein abgehalfterter Michael Glos.